Die Kapelle St. Agatha und St. Gertrud in Oberfleckenberg
Diese Kapelle ist das älteste, noch weitgehend im Ursprungszustand erhaltene Bauwerk des Dorfes. Nicht zuletzt aufgrund ihrer Ausmalung und der erhalten gebliebenen Ausstattung wurde sie am 10. Dezember 1992 in die Denkmalliste der Stadt Schmallenberg eingetragen.
Baugeschichte
Wohl schon im Jahre 1665 begannen die Oberfleckenberger Albert und Rötger Wilms, Johan und Jost Plentzer, Everd Gabbel, Gotschalk Berckenhewer, Jost ahn dem Boele (Hanses), Heinrich Kohle und Casper Sprenger mit dem Bau dieses Gotteshauses, das am 10. Oktober 1666 von Johann Worth, dem damaligen Abt des Klosters Grafschaft, feierlich konsekriert wurde. Der Abt hatte hierzu auf die von den Dorfbewohnern eingeholte Erlaubnis hin den Auftrag des damaligen Kölner Kurfürsten und Erzbischofs Maximilian Heinrich erhalten. Die entsprechende Urkunde wurde am 5. September 1666 im Jagdschloss Hirschberg ausgestellt.
Die sieben genannten Oberfleckenberger Bauern bekennen in ihrer am 6. Oktober 1666 ausgestellten Stiftungsurkunde für sich, ihre Erben und Nachkommen, dass sie die Kapelle zur Beförderung der göttlichen Ehre und für das Seelenheil ihrer Nachkommen erbaut haben. Mit Gottes Hilfe und Beistand begonnen und vollendet, soll sie zur Ehre des Allerhöchsten und Allerheiligsten, besonders aber zu Ehren der heiligen Jungfrau und Märtyrerin St. Agatha geweiht und konsekriert werden. Sie verpflichten sich, die Kapelle in einem guten Zustand zu erhalten und alles, was zu deren Unterhaltung und zur Abhaltung der Gottesdienste gehört und notwendig ist, bei Verpfändung von Hab und Gut zur Verfügung zu stellen. Sie wollen zudem eine Glocke für das Gotteshaus beschaffen und den Pastor mit Speis und Trank versorgen.
Mit Gründung einer eigenen Pfarrei Fleckenberg im Jahre 1900 ging das Eigentum der Kapelle in den Besitz der Kirchengemeinde über.
Das Äußere der Kapelle
Der kleine Bruchsteinsaal mit polygonalem - innen im 3/6 und außen im 4/8- Schlusserrichtetem - Chor steht auf einem gewachsenen Fels in der damaligen Ortsmitte von Oberfleckenberg. Die in Weiß gehaltenen Umfassungsmauern der Kapelle sind mit rundbogigen Fenstern versehen worden, rundbogig ist auch die Tür an der ein Tierblatt mit Auge Gottes angebracht wurde. Ihr unterer Teil ist jalousieartig verkleidet. Das Kirchlein diente in früheren Jahren auch als Zufluchtsort der Bevölkerung. In Notzeiten konnte die Tür von innen verriegelt werden. Die etwa 10 x 10 cm großen Öffnungen für den einzulegenden Querbalken sind zu beiden Seiten des Eingangs noch vorhanden. In dem kleinen aufgesetzten Turm hängt eine Glocke, die auch heute noch mit Hilfe eines Seilzuges betätigt wird. Der Giebel und das Dach der Kapelle sind verschiefert. Der auf dem Türmchen thronende Wetterhahn wurde 1926 erneuert, er trägt die Jahreszahl 1666. Sein Vorgänger soll von Fleckenberger Jugendlichen bei Schießübungen zerstört worden sein.
Das Innere der Kapelle
Das Kapelleninnere besteht aus einem einjochigen Kreuzgratgewölbe und einem ebenso gewölbten Chor, die auf Wandpfeilern ruhen. Eine grundlegende Renovierung, die ab dem 8. August 19960 von Fa. Ochsenfarth in Paderborn ausgeführt wurde, versetzte die Kapelle wieder in ihren früheren Zustand. Dabei fand man über der Tür die Inschrift: „Renovatum 1703“. Alte Ornamente, etwa an Fenstern, der Türe und am Triumphbögen, wurden freigelegt, darunter 12 Apostelkreuze, die aus der Zeit der Konsekrierung stammen sollen. Der Fußboden ist über die ganze Fläche mit Schieferplatten belegt. Der in roter, schwarzer und goldener Farbgebung gehaltene Barockaltar wurde im Jahre 1684 von den Fleckenbergern errichtet. Dies bestätigt folgende mittig am Altar angebrachte Inschrift:“Anno 1648 Die 14 Augusti Erectum Est Hoc Altare in Honorem Die Omnipotentis et Sanctae Agathae Virginis et Martyris et Sanctae Gertrudis Virginis et Abatissae ab incolis huius pagi“.
Unter dem Altar befindet sich ein aufgemauerter Tisch, wohl der ursprüngliche Opfertisch, der mit einer Steinplatte abgedeckt ist. Der Barockaltar wurde in Form eines Sarkophagsaltar um diesen Unterbau herumgebaut. Den Altaraufsatz schmücken fünf Plastiken: in der Mitte die Jungfrau Maria mit ihrem Kinde, ihr zur Linken St. Agatha, die Hauptpatronin der Kapelle, zur Rechten die in der Stiftungsurkunde von 1666 noch nicht erwähnte ist. Gertrud; oberhalb haben der hl. Antonius von Padua und der hl. Franziskus Platz gefunden. Im Laufe der Zeit wurden zwei Ölmalungen auf dem Altar aufgebracht, die letzte im Jahre 1866 von einem Altastenberger Maler und Anstreicher. In der Kapelle sind noch weitere Plastiken zu sehen: so genannte Leuchterweibchen mit der Darstellung der hl. Apollonia, die auf einem an der Decke hängenden Hirschgeweih thront.
Das Kirchengestühl
Das Gestühl der Kapelle entstammt der Bauzeit und ist noch komplett erhalten. Die einzelnen Bänke sind jeweils mit floralen Motiven versehen. Rechts stehen die Bänke derjenigen Fleckenberger Einsassen, die die Kirche erbaut haben, zu erkennen daran, dass in sechs von ihnen im unteren Teil der Wangen deren Monogramme eingelassen sind.






